Versicherung muss in jedem Fall volle Summe bezahlen

Die Versicherung des Unfallverursachers muss trotz zu hoher older falscher Werkstattrechnung bezahlen. Ein entsprechendes Urteil stärkt den Schadenersatzanspruch des Unfallgeschädigten.

In einem Urteil vom 4. April 2017 zeigt das Amtsgericht (AG) Ravensburg auf, dass es füir den Schadenersatzanspruch des Geschädigten gemäß § 249 BGB keinen Unterschied macht, ob die Werkstatt dem Geschädigten unnötige Arbeiten in Rechnung stellt, überhöhte Preise oder Arbeitszeiten in Ansatz bringt oder Arbeiten berechnet, die in dieser Weise nicht ausgeführt worden sind. Laut dem AG Ravensburg besteht kein Grund, dem Schädiger das Risiko für ein solches Verhalten abzunehmen (AZ:5 C857/16).

Im konkreten Fall ging es in einem Haftpflichtschadenfall bei vollständiger Haftung des Schädigers darum, dass die Versicherung des Schädigers (Beklagte) dem geschädigten Kläger nicht den vollständigen Werkstattrechnungsbetrag zur Unfallschadenbehebung bezahlte. Es wurden 132,90 Euro für in Rechnung gestellte Abstandshalter und für das Abdichten der Falze, Nähte und Flanschen berechnet.

Das AG Ravensburg führte eine Beweisaufnahme durch und vernahm den Geschäftsführer des Reparaturbetriebs, der diese Positionen mit in der Schadenbehebungsrechnung aufführte. Dieser bestätigte zur Überzeugung des Gerichts, dass die entsprechenden Arbeiten durchgeführt wurden.

Die beklagte gegnerische Haftpflichtversicherung bestritt allerdings, dass die entsprechenden Arbeiten zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands des Fahrzeugs notwendig gewesen seien.

 

Die Aussage des Gerichts

Das AG Ravensburg verurteilte die beklagte Haftpflichtversicherung zur vollständigen Nachzahlung zuzüglich Zinsen etc.. Es führte hierzu im Urteil wörtlich aus: ,,Wenn der Geschädigte die Schadenbehebung selbst in die Hand nimmt, ist der zur Wiederherstellung erforderliche Aufwand im Sinne des § 249 Abs. 2 S. I BGB nach der besonderen Situation zu bemessen, in welcher sich der Geschädigte befindet. Der erforderliche Herstellungsaufwand wird daher nicht nur durch Art und Ausmaß des Schadens, sondern auch von den Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten des Geschädigten mitbestimmt, so auch durch seine Abhängigkeit von Fachleuten, die er zur Instandsetzung des Unfallfahrzeugs heranziehen muss.

Dieses Wirtschaftlichkeitsgebot gebietet dem Geschädigten mithin, den Schaden auf diejenige Weise zu beheben, die sich in seiner individuellen Lage ... sowie unter Berücksichtigung etwaiger gerade für ihn bestehender Schwierigkeiten, als die wirtschaftlich vernünftigste darstellt, um sein Vermögen in Bezug auf den beschädigten Bestandsteil in einen dem früheren gleichwertigen Zustand zu versetzen. Die Restitution ist anbei nicht auf die kostengünstigste Wiederherstellung der beschädigten Sache beschränkt

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Vorsicht bei Schadensteuerung der Versicherer!

Ein gnaz normaler Autounfall - und was daraus werden kann...

Eigentlich doch eine harmlose Sache; nichts als Blechschaden und bei der Schuldfrage gab es auch nichts zu deuten. Die Unfallparteien tauschten Namen, Anschriften und Versicherungen aus und die Geschädigte Franziska S. fuhr erst einmal beruhigt nach Hause. Die linke Seite ihres Audi A3 sah

Ein gnaz normaler Autounfall - und was daraus werden kann...

Eigentlich doch eine harmlose Sache; nichts als Blechschaden und bei der Schuldfrage gab es auch nichts zu deuten. Die Unfallparteien tauschten Namen, Anschriften und Versicherungen aus und die Geschädigte Franziska S. fuhr erst einmal beruhigt nach Hause. Die linke Seite ihres Audi A3 sah zwar etwas zerknittert aus, aber immerhin, das gerade einmal ein gutes Jahr alte Auto war wenigstens noch fahrbereit. Zur großen Überraschung von Frau S. meldet sich bereits am nächsten Morgen in aller Frühe eine freundliche Dame von der Versicherung des Unfallverursachers, die mitfühlend ihr Bedauern zum Ausdruck bringt, dass Frau S. durch den Unfall des Versicherungsnehmers der Versicherung geschädigt worden sei. Man wolle ihr selbstverständlich alle Unannehmlichkeiten abnehmen und sich um die Instandsetzung ihres Fahrzeuges persönlich kümmern. Bei soviel Freundlichkeit wäre Frau S. besser nachdenklich geworden. Doch so wurde nun aus einem eigentlich harmlosen Unfall eine schier unendliche Geschichte. Die freundliche Versicherung ließ ihr Fahrzeug noch am selben Vormittag abholen und „großzügigerweise“ stellte man Frau S. einen schicken Renault Twingo für die Dauer der Reparatur zur Verfügung. Nach 5 Tagen bekam sie ihr Auto zurück und erhielt sogar noch per Verrechnungsscheck 200,00 € für die so genannte merkantile Wertminderung. Die Reparaturrechnung der Werkstatt, die Frau S. zwar nicht kannte, die aber immerhin damit warb, Vertrauensbetrieb der Versicherung des Unfallverursachers zu sein, belief sich auf 5.000,00 € und war selbstverständlich durch die freundliche Versicherung bereits ausgeglichen. Auf den ersten Blick erschien Frau S. dies wie der perfekte Service. Nur wenige Wochen später traten nun aber Probleme auf. Der schöne Audi zog nach links, was Frau S. selbstverständlich veranlasste, sofort ihren Audi-Betrieb aufzusuchen. Schließlich habe das Fahrzeug zwei Jahre Garantie, machte sie dem Annahmemeister im Audizentrum deutlich. Frau S. fiel nun aus allen Wolken, als man ihr mitteilte, dass der Schaden durch eine unsachgemäße Reparatur eines Unfallschadens verursacht worden sei. Die Kosten einer Reparatur der Lenkung beliefen sich auf 1.000,00 €, die nicht durch die Garantie gedeckt seien. In diesem Zusammenhang wurde Frau S. auch noch darauf hingewiesen, dass durch die Reparatur in einer nicht autorisierten Werkstatt ohnehin die vom Hersteller gewährte zweijährige Garantie erloschen sei. Schwierig sei es nun auch, nach Ablauf der Garantie für nach der Garantiezeit auftauchende Mängel Kulanz zu erhalten.


Jetzt begab sich Frau S. zu einem Rechtsanwalt, der ihr leider bestätigte, dass der Lenkungsschaden, der auf der unsachgemäßen Reparatur ihres Fahrzeugs beruht, nicht durch die Garantie abgedeckt ist und dass der Garantiegeber berechtigt ist, sein Garantieversprechen daran zu knüpfen, dass das Fahrzeug ausschließlich in seinem Betrieb gewartet und nach einem Unfallschaden instandgesetzt wird. Man könne allerdings versuchen, die Kosten der Reparatur der Lenkung als Schadenersatz bei der Werkstatt geltend zu machen, die den Unfallschaden unsachgemäß behoben hat. Hier allerdings würden nicht unerhebliche Beweisprobleme auftauchen und zudem sei ein Prozess zumindest ohne Rechtschutzversicherung mit einem nicht unerheblichen Kostenrisiko belastet.


Die Überraschungen für Frau S. nahmen allerdings noch kein Ende, als der Anwalt sich der Unfallschadenangelegenheit nochmals annahm. Er wies Frau S. darauf hin, dass ihr als Unfallersatzfahrzeug selbstverständlich ein vergleichbarer Audi zugestanden hätte, und dass auch die Wertminderung von 200,00 € mit Sicherheit viel zu niedrig ermittelt worden sei. Bei einem 13 Monate alten Fahrzeug mit einem Neupreis von über 20.000,00 € und Reparaturkosten von mindestens 5.000,00 € sei eine Wertminderung von nur 200,00 € geradezu lächerlich.


Der Rechtsanwalt machte Frau S. deutlich, dass sie gut beraten gewesen wäre, statt in die Vertrauenswerkstatt der gegnerischen Versicherung, in ihre Vertrauenswerkstatt zu gehen. In diesem Fall hätte sie sicher sein können, dass Garantie und Kulanz für ihr Fahrzeug nicht gefährdet sind. Mit Sicherheit hätte sie dort ein adäquates Ersatzfahrzeug bekommen oder stattdessen auch die ihr zustehende Nutzungsausfallentschädigung wählen können. Mit Sicherheit wäre sie dort auch auf ihr Recht, einen unabhängigen Sachverständigen und einen Anwalt hinzuzuziehen, hingewiesen worden.


Im Übrigen hätte es auch noch schlimmer kommen können, falls es im Nachhinein Streit über den Unfallhergang gibt. Ohne beweissicherndes Gutachten wäre man den Angaben des Versicherers des Unfallgegners hilflos ausgeliefert.


Frau S. jedenfalls ist sich sicher. Sie wird sich nach einem Unfall künftig nicht noch einmal auf Versprechungen des Versicherers einlassen, sondern direkt ihre Rechte wahrnehmen und ihr Fahrzeug in ihrer Fachwerkstatt des Vertrauens instandsetzen lassen. Dieses Recht steht ihr im Übrigen nicht nur bei einem unverschuldeten Unfall zu, sondern auch bei einem selbstverschuldeten Kaskoschaden ist das Recht des Autofahrers uneingeschränkt gegeben, die Werkstatt seines Vertrauens anzusteuern. Handelt es sich im Übrigen um ein Leasingfahrzeug oder um ein finanziertes Fahrzeug, ist er in aller Regel sogar verpflichtet, seinen qualifizierten Markenbetrieb aufzusuchen.

 

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HUK-Coburg greift Rechte des Geschädigten mit Erstanschreiben an

Die HUK-Coburg hält nach wie vor an ihrer Zelsetzung fest, in sogenannten Erstanschreiben nach einem Verkehrsunfall Geschädigte, die Anspruche gegen die HUK-Coburg haben, massiv zu verunsicern.

Weiterhin wird suggeriert, dass die Möglichkeit besteht, über die HUK-Coburg unabhängige qualifizierte Schadengutachten zu einem Flatratepreis von 280 € erstellen zu lassen.

Dabei wird ganz massiv auf die den Geschädigten treffende Schadenminderungspflicht aufmerksam gemacht, was letztlich bei dem Geschädigten den Eindruck erwecken soll, dass die Einschaltung eines anderen Sachverständigen, der mehr als 280,00 € berechnet, unzulässig sei.

Erstanschreiben der HUK-Coburg sind zugleich auch ein Angriff gegen qualifizierte unabhängige Kfz-Reparaturbetriebe, die sich nicht in das Partnernetzwerk der HUK-Coburg haben integrieren lassen. Die Auswahl des Sachverständigen durch die HUK- Coburg wird ausdrücklich damit begründet, dass es für den Geschädigten von Vorteil sein könne einen Sachverständigen zu wählen, der nicht von der Werkstatt empfohlen wird. Hiermit soll offensichtlich ganz bewusst die Zusammenarbeit zwischen Reparaturbetrieb und Sachverständigen in ein ganz bestimmtes Licht gerückt werden.

Die HUK-Coburg verfolgt darüber hinaus bei Sachverständigenkosten nunmehr die Strategie der Reduzierung, wie dies bereits bei den Mietwagenkosten durch Benennen eines günstigeren Anbieters geschieht. Dese Strategie verkennt jedoch, dass qualitative Unterschiede bei Mietfahrzeugen eine gänzlich andere Dmension besitzen, als bei Kfz-Schadengutachten. Die Denstleistung eines Sachverständigen ist nicht beliebig vergleich- und austauschbar, sondem entscheidend ist aus Sicht des Geschädigten, dass es sich um einen qualifizierten Sachverständigen handelt, der öffentlich bestellt und vereidigt, zertifiziert oder von einem seriösen Berufsverband anerkannt i st.

Die Verhaltensweise der HUK-Coburg in den bisherigen Pilotprojekten dürfte die Blaupause sein, künftig noch verstärkter gerade auch in Haftpflichtschäden auf angeblich kostengünstigere Reparaturbetriebe zu verweisen, genauso wie nicht auszuschließen sein dürfte, dass für den Fall, dass der Geschädigte auf Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes besteht, nur noch bestimmte Rechtsanwälte durch die HUK- Coburg als geeignet vorgegeben werden.

Die Unfallschadenabwicklung auf der Grundlage des deutschen Schadenersatzrechtes wird durch die Strategie der HUK-Coburg in ihren Grundfesten erschüttert. Alle Unfallbeteiligten sind aufgefordert, derartige Maßnahmen zu bekämpfen und hierzu zählt insbesondere eine breite lnformation der Öffentlichkeit. Der Geschädigte hat nach ständiger Rechtsprechung das Recht, unabhängig von der Schadenhöhe einen qualifizierten Sachverständigen seines Vertrauens einzuschalten.

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HUK Coburg in Pilotregionen mit neuer Strategie

Seit einigen Wochen versucht die HUK-Coburg Geschädigte sehr früh nach einem Verkehrsunfall zu erreichen, um ihnen "Hinweise" für das Verhalten nach dem Verkehrsunfall zu geben.

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Beilackierungsdiskussion nicht beendet

Beilackierungsdiskussion nicht beendet

Mit großem Bedauern hat der BVSK zur Kenntnis genommen, das die Gespräche in einem Arbeitskreis des AZT im Hinblick auf eine Neuformulierung des Merkblattes Beilackierung des AZT gescheitert sind. Das AZT selbst hat sich den eindeutigen Einschätzungen der Fachverbände, die heute die Beilackierung als Regelfall in der Unfallschadeninstandsetzung ansehen, nicht angeschlossen.

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